Missionare aus Gerlingen: Christian Gottlob Aldinger
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Zeugnis Johannes Zimmermanns aus dem Missionshaus Basel:

"Da ich mit dem Petenten Christian Aldinger aufgewachsen bin, bin ich so frei, auch zu seinem Lebenslauf etwas zu sagen.

Wir waren früher, als wir noch in der Finsternis wandelten, Kameraden. Er war immer etwas weichen Gemüts, daher mehr ein Verführter als ein Verführer.

In Stuttgart wurde er vor eineinhalb bis zwei Jahren erweckt und besuchte den Jünglingsverein des seligen W. Hofackers. Mit jenem Jünglingsverein ist er innigst verbunden. Er scheint gründlich erweckt zu sein, zwar noch ein wenig jung im geistlichen, aber auch noch biegsam. Er war immer ziemlich begabt und einer der besten Schüler."

Christian Gottlob Aldinger, Sohn des Küblermeisters Christoph Aldinger (war viermal verheiratet und hatte 16 Kinder) und seiner Frau Maria, geb. Morlock, wird am 04. Januar 1826 als 15. Kind geboren.

Christian Gottlob macht seinen Eltern - besonders seiner Mutter - in späteren Jahren viel Kummer. Wie üblich erlernt er das Handwerk des Vaters - große Lust dazu bringt er nicht auf. Nach dem Tod des Vaters setzt er die Lehre in Stuttgart fort, wo er in schlechte Gesellschaft gerät. Er berichtet, betrogen, gestohlen und gelogen zu haben. Nach der Lehrzeit geht er auf Wanderschaft und wird von seinem Meister wegen schlechter Arbeit davongejagt, was er vor seiner Mutter leugnet. Die Wahrheit kommt an den Tag und die radikale Wende setzt ein: Im Stuttgarter Jünglingsverein findet Christian Gottlob Aldinger zum Glauben und fasst den Entschluss, Missionar zu werden.

Er meldet sich 1848 ins Basler Missionshaus, muss allerdings noch ein Jahr warten. In Basel findet er eine Arbeitsstelle und bereitet sich auf seine Aufnahme vor.

Nach 6-jähriger Ausbildung wird er im Juni 1855 für das Missionsfeld in Indien bestimmt. Am 03. Dezember 1855 kommt er in Cannanore an der Westküste von Indien an. Er wird auf der Missionsstation Talatscheri eingesetzt, das seiner Schulen wegen bekannt ist.

Das heisse Klima setzt ihm zu. Auch Tropenkrankheiten, Pocken, Cholera und Typhus verschonen ihn nicht.

1858 bittet Christian Gottlob Aldinger in Basel um Heiratserlaubnis und eine Braut. Er heiratet Christiane Caroline Breuninger aus Brackenheim; fünf Kinder werden ihnen geboren.

Neben der Heidenpredigt unterrichtet Aldinger an der Christen- und Heidenschule, an der Katechisten- und an der Mittelschule in Talatscheri. Dort gibt es eine genaue Hausordnung: Um neun Uhr beginnt der Unterricht, der bis 5 Uhr abends dauert. Gelehrt werden Lesen, Biblische Geschichte (die Bibel ist das Hauptschulbuch), Kopf- und Tafelrechnen, Geographie, Englisch und Malajalim. Handarbeitsunterricht erteilt Frau Aldinger. Schulbuben nähen ihre Kleidung selbst. Zwei- bis dreimal in der Woche haben die Schüler Singstunde, baden anschließend im Fluss oder im Meer, spielen, bis sie gegen sechs Uhr zu Nacht essen und dann ihre Schlafmatten holen. Um neun Uhr ist alles still, und das Haus wird geschlossen.

1859 stellen die drei Missionare, die auf der Missionsstation arbeiten, eine Statistik auf: Zur Hauptstation Talatscheri gehören drei weitere Außenstationen. Zur Hauptstation zählen ein Missionshaus, ein Betsaal, ein Industriegebäude, ein Waisenhaus, ein Küchen- und Vorratshaus, eine Stallung, ein Katechistenhaus und elf Wohnungen für die christlich gewordenen Inder. Ferner gibt es Werkstätten, darunter eine "Lithographische Presse" mit sechs Arbeitern, in der unter anderem die Calwer Biblische Geschichte mit 312 Seiten in 800 Exemplaren gedruckt und in der Buchbinderei gebunden wird. 

1865 bittet das Ehepaar Aldinger um Heimaturlaub, nachdem Aldinger elf Jahre im heißen Indien gearbeitet hat. Am 18. Juni 1866 kommen sie in der Heimat an, wo sie sich langsam erholen. Aldinger kehrt nicht mehr nach Indien zurück. Weil das Missionshaus in Basel im Heimatland Missionsprediger und Reiseprediger braucht, übernimmt er 1868 in Schwäbisch Hall eine solche Aufgabe. Dort stirbt Christian Aldinger am 25. März 1899.

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